ADHS im Erwachsenenalter

Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung ist die häufigste kinder- und jugendpsychiatrische Störung mit in bis zu 2/3 Fortbestehen in das Erwachsenenalter. Es ist eine chronische Gesundheitsstörung, deren Auftreten und Ausmaß einerseits zwar in hohem Maße von biologischer Veranlagung abhängt, andererseits jedoch durch individuelle Kontextfaktoren erheblich mitbeeinflusst wird. Es kann dabei zu erheblichen Beeinträchtigungen führen.

ADHS ist eine neurobiologisch begründete Disposition und damit eine Störung der Informationsverarbeitung mit einer daraus resultierenden Reizüberflutung, die zu folgenden Besonderheiten führen kann: Reifeverzögerung der Selbstregulation, Anpassungsstörungen an Anforderungen und Störungen des Selbstbildes.

Es besteht als Kernsymptomatik in der Regel:

  • Unaufmerksamkeit mit Konzentrationsschwäche, Problemen mit der Daueraufmerksamkeit, Schwierigkeiten beim Zuhören, Organisationsschwierigkeiten, häufiges Verlieren und Verlegen von Gegenständen, leichte bzw. erhöhte Ablenkbarkeit durch äußere Reize, Vergesslichkeit im Alltag usw.
  • Hyperaktivität: Unfähigkeit ruhig zu sitzen, ständige Unruhe in Händen und Füßen, anhaltendes unangenehmes Gefühl innerer Unruhe, übermäßige körperliche und/oder soziale Aktivitäten, Unfähigkeit sich zu entspannen usw.
  • Impulsivität: Dazwischenreden, Unterbrechen anderer im Gespräch, Ungeduld, impulsiv ablaufende Handlungen, schnell gefasste und unüberlegte Entscheidungen, störendes Verhalten anderen gegenüber usw.
  • Emotionale Überreagibilität: sich schnell gestresst fühlen, mit negativen Gefühlen schlecht umgehen können, ausgeprägte und rasch wechselnde Gefühlsschwankungen, leichte Erregbarkeit, Mangel an Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung, überschießendes oder ängstliches Reagieren auf alltägliche Stressoren usw

Häufige und typische Alltagsprobleme bei einer ADHS-Betroffenheit können sein: fehlende feste Tagesstruktur, häufige Überfrachtung durch zu große Mengen an Vorhaben, viele verschiedene Dinge werden angefangen und bei bestehender Ablenkung rasch wieder aufgegeben, unangenehme Aufgaben werden häufig lange aufgeschoben, relative Nebensächlichkeiten rücken in den Vordergrund, Schwierigkeiten im Kontakt mit anderen durch wenig beständige soziale Beziehungen, Desorganisation, Stimmungsschwankungen, Suchtproblematik.

Auf dem Boden einer nicht diagnostizierten und/oder nicht behandelten ADHS-Betroffenheit kann es zur Ausbildung weiterer psychischer Störungen (z.B. Depressionen, Ängste usw.) kommen.

Besonderheiten

Auf der Grundlage einer eingehenden klinischen Diagnostik mit Analyse der auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen im Rahmen der individuellen ADHS-Betroffenheit und möglicher damit in Zusammenhang stehender weiterer psychischer Störungen wird in der Einzel- und Gruppenpsychotherapie gemeinsam an folgenden Therapiezielen gearbeitet:

  • Vermittlung eines Erklärungsmodells für Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptomatik
  • Störungsbild-Teaching
  • Erarbeitung einer Veränderungsmotivation mit ausführlicher Analyse von Stärken und Ressourcen
  • Erlernen einer verbesserten Aufmerksamkeitssteuerung und eines verbesserten Umgangs mit der hohen Reizoffenheit
  • Entwicklung und Umsetzung von Strategien zur besseren Planung, optimalerem Umgang mit Zeit, Erkennen und Setzen von Prioritäten und Lernen, auch dranzubleiben
  • Verbesserung emotionaler Regulationsprobleme und Erlernen von Impulskontrollfertigkeiten
  • Erlernen von Strategien einer verbesserten Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit
  • Steigerung der psychischen Belastbarkeit und des körperlichen Leistungsvermögens zur Reintegration in das Alltags- und Berufsleben, gegebenenfalls Planung und Initiierung neuer beruflicher Wege